SCHELKLINGEN - Ein eigenes Kraftwerk soll künftig das Schelklinger Zementwerk mit Strom beliefern. In einer Projektgemeinschaft wollen Heidelberg Cement und eine auf diese Art des Kraftwerksbaus spezialisierte Vattenfall-Tochter in das Projekt 100 bis 120 Millionen Euro investieren. In Schelklingen könnten in drei Jahren 30 bis 35 neue Arbeitsplätze entstehen.
Es ist ein Projekt, das in Schelklingen und Umgebung seinesgleichen sucht, betonten die Verantwortlichen gestern bei der Vorstellung ihres Vorhabens. 190 000 Tonnen Abfall sollen jährlich den enormen Energiehunger des Zementwerks stillen.
Bei den vorgesehenen "Ersatzbrennstoffen" handelt es sich laut Vattenfall-Projektentwickler Dr. Jan Grundmann zum Teil um Abfälle, die nicht verwertet werden dürfen, seit der Gesetzgeber 2005 beschlossen hatte, dass unbehandelter Müll nicht mehr deponiert werden darf. Die Ersatzbrennstoffe bestünden zu 50 Prozent aus regenerativen Stoffen; deshalb liege das geplante Kraftwerk weit unter den Kohlendioxidwerten herkömmlicher Anlagen.
Laut Grundmann sei gerade diese Abfallart verfügbar, weil es in Baden-Württemberg keine ausreichenden Verwertungsmöglichkeiten gebe. Grundmann: "Wir füllen eine Lücke, für die es in der Region keine Kapazität gibt." Stattdessen würden die Ersatzbrennstoffe nach Nordrhein-Westfalen und in die Schweiz exportiert. Nach Vattenfall-Angaben kommt der benötigte Abfall aus einem Umkreis von 150 bis 200 Kilometern.
Für Zementwerkchef Hans-Georg Kraut bedeutet der Kraftwerksbau die Senkung "des entscheidenden Kostenfaktors für das Werk". Weil Vattenfall in Hamburg und Sachsen bereits ähnliche Anlagen betreibt und bei Berlin eine weitere vor der Fertigstellung ist, sei man im Spätsommer auf den Energieversorger zugegangen. "Wir haben uns umgeschaut, wer uns günstiger mit Strom versorgt", so Kraut.
Im Dezember 2007 haben die Unternehmen eine Grundsatzvereinbarung über den Bau geschlossen und arbeiten nun in der Projektgemeinschaft "Energieversorgung Schelklingen" zusammen. Vorgespräche mit dem in Sachen Emissionen zustimmungspflichtigen Regierungspräsidium seien nach Angaben Grundmanns positiv verlaufen. Vor dem von Vattenfall für Ende des Jahres anvisierten Baubeginn müssen Tübingen und die Stadt Schelklingen ihr Einverständnis geben.
Zuvor holt der Energieversorger Studien über die technische und wirtschaftliche Machbarkeit ein. Deren Ergebnisse - auch über eine mögliche Nutzung der Abwärme - sollen noch im ersten Halbjahr vorliegen. Geklärt werden sollen auch Verkehrsfragen, da der Werksverkehr voraussichtlich um 55 Lastwagen pro Tag (20 Prozent) zunehmen wird. Die Projektgemeinschaft will dabei betroffene Bürger und die Stadt einbinden.
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