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Schwäbische Zeitung Ehingen, 01.02.08



Bürger stellen Fragen zum Zementkraftwerk

"Schelklingen droht ein Euro-Regen"

Schelklingen (ef) Vertreter der Firmen HeidelbergCement und Vattenfall Europe New Energy haben gestern Nachmittag in der Zementwerkskantine interessierten Bürgern ihr Projekt eines mit Ersatzbrennstoff betriebenen Heizkraftwerks vorgestellt. Dabei meldeten sich Gegner und Befürworter der Anlage zu Wort.

Als Projektgemeinschaft „Energiezentrale Schelklingen“ planen die Firmen HeidelbergCement und Vattenfall Europe New Energy ein Kraftwerk zur Versorgung des Schelklinger Zementwerks. Dabei soll elektrische Energie aus der Verbrennung von brennbarem Abfall gewonnen werden. Gestern Nachmittag waren die Bürger zur Information und Diskussion in die Betriebskantine des Zementwerks geladen. Rund 60 Schelklinger, darunter jetzige und frühere Kommunalpolitiker, nahmen die Gelegenheit wahr, sich ein Bild zu verschaffen und sich eine Meinung zu bilden. „Ist es möglich, die Abwärme aus dem geplanten Kraftwerk für die Stadt Schelklingen zu nutzen?“ wollte der frühere Stadtrat Josef Hagel wissen. „Dazu sage ich ein klares Ja; das ist nur eine Frage einer zu erstellenden Machbarkeitsstudie“, antwortete Vattenfall-Sprecher Karl Lüder. Zementwerk-Betriebsleiter Hans-Georg Kraut fand das auch gut:“Herr Hagel, sich haben vollkommen Recht: Wenn das Baugebiet Obere Wiese mit Rohren versehen worden wäre, könnte man die Wärme einspeisen.“ Die Abwärmenutzung werde untersucht. Die Frage nach dem Nutzen für die Stadt beantwortete Karl Lüders mit dem Hinweis auf 30 bis 35 neue Arbeitsplätze, zusätzliche Beschäftigung im Umfeld und steigende Steuereinnahmen, denn die Gewerbesteuer werde jetzt am Ort des Betriebs erhoben. „Grundsätzlich stimmt das“, beseitigte Bürgermeister Michael Knapp dazu vorgebrachte Zweifel. „Schelklingen wird für Betriebsansiedlungen interessant, und das Gewerbegebiet füllt sich“, versuchte Hans-Georg Kraut den Appetit auf das Projekt anzuregen. „Aber langsam!“ kommentierte der Bürgermeister. „Zu langsam!“ hakte eine Bürgerin nach.

Euro-Regen oder Ruhrpott? „So ein Euro-Regen wird so schnell nicht mehr auf Schelklingen zukommen. Sind wir doch froh, dass Industriemüll zur Stromgewinnung verwendet werden kann!“, freute sich der frühere Stadtrat Hans Walter auf goldene Zeiten. Einen „schwäbischen Ruhrpott“ befürchtet hingegen ein Mitbürger aus Schmiechen, falls das Kraftwerk neben dem Zementwerk in Richtung Schmiechen zu stehen käme. Ob das Kraftwerk realisiert wird und, falls ja, an welchem von drei möglichen Standorten, ist jetzt erst einmal Sache des Schelklinger Gemeinderats. Bei reiner Anlieferung des Brennstoffs wird mit zusätzlichen 55 Lastzügen pro Tag gerechnet. Das wären 20 Prozent mehr als bisher. Die Projektgemeinschaft wird die teilweise Anlieferung per Eisenbahn prüfen.

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